NIS2 vs. KRITIS-DachG: Was ist der Unterschied?
Viele Unternehmen unterliegen sowohl NIS2 als auch dem KRITIS-DachG. Die Gesetze regeln unterschiedliche Bereiche — hier ist die klare Abgrenzung.
NIS2 und KRITIS-DachG: Zwei verschiedene Gesetze, zwei Ziele
Beide Gesetze betreffen kritische Infrastrukturen in Deutschland — aber sie regeln unterschiedliche Aspekte:
- NIS2 (NIS2UmsuCG): Cybersicherheit — IT- und OT-Sicherheitsmaßnahmen, Meldepflichten für Sicherheitsvorfälle, Registrierung beim BSI
- KRITIS-DachG: Physische Resilienz — Schutz kritischer Infrastrukturen vor physischen Angriffen, Naturkatastrophen und Sabotage; Registrierung beim BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz)
Wer fällt unter NIS2 — und wer unter KRITIS-DachG?
NIS2 gilt für alle wichtigen und besonders wichtigen Einrichtungen in 18 definierten Sektoren — mit Schwellenwerten ab 50 Mitarbeitern bzw. 10 Mio. EUR Jahresumsatz. Deutlich breiterer Anwendungsbereich als KRITIS.
KRITIS-DachG gilt für Betreiber kritischer Anlagen — das sind Einrichtungen, die bei Ausfall oder Beeinträchtigung erhebliche Versorgungsunterbrechungen oder Gefährdungen für die öffentliche Sicherheit verursachen könnten. Deutlich enger definiert, höhere Schwellenwerte.
Können beide Gesetze gleichzeitig gelten?
Ja. Ein Stromnetzbetreiber oder Krankenhaus kann gleichzeitig unter NIS2 und KRITIS-DachG fallen. In diesem Fall gelten beide Pflichten nebeneinander — aber die Meldepflichtsysteme sind unterschiedlich: NIS2-Meldungen gehen ans BSI, KRITIS-DachG-Meldungen ans BBK.
NIS2 und BSI-Grundschutz: Vergleich und Zusammenhang
Wer „NIS2 und BSI-Grundschutz“ vergleicht, vergleicht zwei unterschiedliche Dinge: NIS2 ist ein Gesetz mit Pflichten, der IT-Grundschutz des BSI ist eine Methodik mit Bausteinen, mit der sich Informationssicherheit systematisch aufbauen lässt.
- Verbindlichkeit: NIS2 (in Deutschland über das NIS2UmsuCG umgesetzt) verpflichtet betroffene Einrichtungen. Der IT-Grundschutz ist ein Vorgehensmodell, das Einrichtungen freiwillig anwenden können.
- Inhalt: NIS2 verlangt „geeignete und verhältnismäßige“ technische, operative und organisatorische Risikomanagementmaßnahmen (Art. 21 der Richtlinie) sowie Meldungen erheblicher Sicherheitsvorfälle. Wie die Maßnahmen im Einzelnen aussehen, schreibt die Richtlinie nicht als festes Rahmenwerk vor.
- Zusammenhang: Ein Grundschutz-orientiertes Vorgehen kann helfen, die Risikomanagementmaßnahmen zu strukturieren und zu dokumentieren. Ob und wie weit ein bestimmtes Vorgehen die NIS2-Pflichten im Einzelfall abdeckt, entscheidet nicht der Vergleich auf dieser Seite, sondern Ihre Einrichtung mit ihrer Beratung bzw. die zuständige Behörde.
- Meldepflicht: Unabhängig vom gewählten Rahmenwerk gilt die Meldekette für erhebliche Vorfälle (Frühwarnung in 24 Stunden, Vorfallsmeldung in 72 Stunden, Abschlussbericht einen Monat nach der Vorfallsmeldung). Dafür ist ein eigener, vorbereiteter Prozess nötig — siehe § 32 BSIG erklärt.
Was bedeutet das für die Praxis?
Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist NIS2 das relevantere Gesetz — KRITIS-DachG betrifft vor allem sehr große Infrastrukturbetreiber. Wenn Sie unter NIS2 fallen, brauchen Sie in jedem Fall einen strukturierten Meldeprozess für Sicherheitsvorfälle nach §32 BSIG.
MeldeKette24: Der BSI-Meldeketten-Wizard für den Ernstfall
Kein GRC-Overbau. Triage-Engine, Frist-Timer und BSI-PDF-Export.
Kostenlos testenDaten in Deutschland